Eine verrückte Flucht vor bösen Stimmungen. Samstag Früh mit Freund C. nach Vorarlberg gefahren. Er verbringt seine Weihnachtsferien bei seinen Eltern und fuhr schon früher als geplant in den Westen.
Da es ja momentan bei mir eher drunter und drüber zugeht, hängte ich mich an Ihm an (seine Beziehungsprobleme gleichen ebenso einer Dauerbaustelle wie bei mir) und fuhren mal den ganzen Tag mit seinem Auto westwärts, ab St. Pölten gegen die Sonne.
Wir beide rauchten
wie Schornsteine eines Kohlekraftwerks zu den vorgegebenen Pausenzeiten unsere Zigaretten - in der Raststation Mondsee wunderten wir uns über Kolonien von schifahrenden Polen, die dann wohl in der Weihnachtszeit von Deutschen und Holländer abgelöst werden.
Abends endlich in Xiberg, wo wir von der Mutter von C. mit selbstgemachten Köstlichkeiten verwöhnt wurden. Mittlerweile kenne ich einige Wohnungen dieser Generation und die meisten sind mit Möbeln aus einer bestimmten Einrichtungsphase eingerichtet.
In diesem Fall die 70er - ich unternahm also auch eine kleine Zeitreise in meine Jugendzeit. Ergänzt wurde die Einrichtung mit alten Fotos, wo ich zum ersten Mal C. als ungefähr 16-jährigen sah, er sah
Ian Mc Culloch von den
Bunnymen nicht unähnlich. Er hatte ungefähr denselben Haarturm.
Sonntags dann schifahren im Brandnertal und abends besuchten wir den Schwager von C., der ja auch bei unserem bisher einzigen
Marathon teilnahm.
Er stellte großzügig eine Kiste von irgendeinem bayrischen Klosterbier zur Verfügung und betonte dabei mehrmals, dass bei diesem Bier am nächsten Tag keinerlei Nachwirkungen zu verspüren sind. Wir tranken und pokerten bis ca. 1 Uhr früh und ich hatte in den entscheidenden Phasen das nötige Spielglück. Allerdings spielten wir nur um recht kleine Einsätze, die Fahrt zurück mit dem Zug konnte ich mir so nicht finanzieren ;-)
Nachwirkungen gab es natürlich sehr wohl, aber die lassen sich während einer 7-stündigen Bahnfahrt halbwegs verschmerzen.
Selbst die Konzentration auf
Zadie Smith Von der Schönheit wurde nicht beeinträchtigt.
Den Mann, der den Zügen nachsah, hab ich nach zwei Kapiteln beiseite gelegt. Betrugsgeschichten brauche ich jetzt nicht unbedingt.