NeoCons und alte Punks
Dazu auch passend der TAZ-Artikel von Marlene Streeruwitz, den ich, Liquidcenter sei Dank , dort gefunden habe.
Gestern hatte ich eine Ahnung, wie das gemeint sein könnte und komme dabei etwas in Schleudern.
Nebenbei bin auch erstmals mit einem pubertierenden Kind konfrontiert und ich muss mich erst daran gewöhnen, dass mein 14-jähriger Sohn jetzt in etwa gleich gross ist und mit tiefer Brummstimme zumeist "ich mag das nicht" spricht.
Gestern kam er mit einer CD heim, die er sich von dem jüngeren Bruder seines Schulfreundes ausgeborgt hat. Ich bin ja mittlerweile gewöhnt, dass nur harte Metalmusik zählt, obwohl es auch Ausnahmen gibt - aber diesmal - Überraschung:
Es war ein Sampler, die er ins MP3-Format konvertierte und dabei die Gruppennamen laut brummelte - es waren Bands wie Slaughter & the Dogs, the Rezillos, Buzzcocks, PIL, 999, etc, etc...
Kurz und gut, ein 70-er Punksampler und die meisten Bands hörte ich in einem Alter zwischen 19 und 20. Mit den Buzzcocks habe ich versucht, meinen damals gewaltigen Liebeskummer zu verarbeiten.
Was sagt uns das ?
Wird es ein 100-jähriges Punkjubiläum 2076 geben ? Hören sich heutige Kinder gerne Musik an, zu denen Ihre Väter tanzten (zu meinen Zeiten undenkbar) ? Oder hören sich Punkbands der 5. Generation genauso wie die damaligen Bands an ? Von der Punk-Philosophie gar nicht zu reden - was war damals echt - was ist heute aufgesetzt und umgekehrt ?
Nur gut, dass Punk verschieden interpretiert werden kann, nämlich als
Da konnte dieses Jahr nicht mithalten - ich denke, Tag 2 vom 2DaysaWeek 2004 war ein echter Glücksfall - ich kann mich noch an Melissa Auf Der Maur (leider nur die Zugabe), Urge Overkill, Supergrass, Deus, Kings of Leon und Franz Ferdinand (die ich mir praktisch schenkte) erinnern.
Aber diesmal ? Nachdem die Dresden Dolls abgesagt hatten und dafür Velojet engagiert wurden (Sophia war dann Headliner), schrumpfte das internationale LineUp gleich mal um 20 %.
Nächster Vergleich: die irgendwie sympathischen, jungen Wiesenbesucher sind so wie immer.
Letztes Jahr erkannten mich am Klo (schon zu späterer Stunde) zwei Burschen aufgrund meines T-Shirts als PearlJam-Fan. Einer von denen legte mir dann seinen Arm um meine Schulter um mir dann den kompletten Bike-Song (?) auf englisch fehlerlos vorzusingen. Auf meine schüchterne Frage, ob sie aus Kalifornien kämen, lachten sie und sagten, Mattersburg wäre ihre Heimatstadt.
Diesmal nicht ganz so intim, freundete sich ein junger Linzer mit uns an, der dann neben mir bei Nick Cave den Ship Song inbrünstig mitsang. Ist aber auch ein geniales Lied:
Come sail your ships around me, burn your Bridges down.
Die Höhepunkte für mich ?
Ich muss gestehen, ich stieg erst bei Sophia richtig ein. Die Walkabouts schenkte ich mir. Sophia waren schon irgendwie gut, allerdings, für meinen Geschmack und speziell, da es sich um ein Openairkonzert und nicht um einen Clubgig handelte, könnten sie von mir aus auch auf das Streicherquartett verzichten. Dass sie die forschere Gangart auch beherrschen, bewiesen Ihre letzten Nummern, die schon fast einen Raveonettes-mässigen Stil aufwiesen. Wenn so das ganze Konzert gewesen wäre ...
Echo & Bunnymen, wegen denen ich eigentlich gekommen bin: erwartungsgemäß enttäuschend - Ian McCulloch beschwerte sich am Anfang dauernd über den Monitorsound, sie spielten routiniert Ihr Set runter, gleich am Anfang Ihr Smash-Hit "Lips Like Sugar", dass normalerweise die Zugabe ist - ob sie irgendwas von Ihrer neuen Platte spielten, wurde gar nicht angekündigt.
Oder waren das die Coverversionen von Lou Reed (Walk to the Wild Side) und den Doors ?
Hängengeblieben bei mir ist nur die vorletzte Nummer - ein wunderschönes Kinderlied - als Highlight von den Bunnymen.
Ja und Nick Cave ? Ich hatte ja nur ein Konzert von Ihm in Erinnerung, aus seiner schlimmsten Drogenzeit mit Blixa Bargeld im Raimundtheater. Das Konzert war katastrophal. Ich schätze, da waren ziemliche Streitereien und vielleicht war ein Cold Turkey auch dabei.
Diesmal ? Ein Energiebündel. Nick Cave stürzt auf die Bühne, 100 %-präsent. Das Konzert beginnt mit "get ready for love". Background-Chor, 2 Schlagzeuger, 2 Keyboarder, 2 Gitarristen. Immer wieder setzt sich Nick Cave ans Klavier, um damit einen Song anzukündigen, sobald die Band einsetzt, schnappt er sich wieder das Mikro, um das Publikum zu beschwören. Dazwischen feuert er immer wieder die Band an. Der Mann gab das Letzte.
Ich war zu dem Zeitpunkt zwar nicht mehr 100-%ig fit, aber das Konzert war eindeutig ein Highlight. Ich wünschte, ich wäre mehr ein Cave-Fan.
Ist das die Flucht vor den konsumfaschistischen USA (Money talks and nothing else) ?